Mitarbeiterführung in der Rechtsanwaltskanzlei

von | Dez 3, 2019

MITARBEITERFÜHRUNG IST MULTIPLIKATIV

Ist der Chef der Engpass, ist dies ein Zeichen fehlender oder falscher Mitarbeiterführung. Bei richtiger Führung ist nicht mehr der Chef der Problemlöser, sondern befähigt seine Mitarbeiter, die anstehenden Probleme zu lösen.

Ego-Problem

Häufig war der Chef ein guter oder sogar der beste Facharbeiter (in einer Kanzlei typischerweise der beste Rechtsanwalt) oder zumindest der beste Problemlöser. Mit zunehmendem Mitarbeiter- oder Klientenwachstum entwickelt er sich aber zunehmend zum Engpass des Unternehmens. Früher oder später wird er sich eingestehen müssen, dass ihm einfach die zeitlichen Kapazitäten fehlen, um alle Probleme in der Kanzlei zu lösen. Besonders dramatisch ist, dass in der Regel dringende Aufgaben erledigt werden, aber nicht WICHTIGE Aufgaben, die NICHT dringend sind. Dazu zählen Unternehmeraufgaben wie Mitarbeiterführung, Marketing, Optimierung von Kanzleiabläufen oder Kommunikationsthemen.

Es schmeichelt natürlich dem Ego des Kanzleigründers, wenn scheinbar unlösbare Probleme unter Beifall seiner Mitarbeiter vom „großen Meister“ persönlich gelöst werden. Die Folgen sind fatal. Zum einen bleibt die Kanzlei weit unter ihren Potenzialen, da die Führungsperson sich nicht um ihre Unternehmeraufgaben kümmern kann, sondern Fachprobleme löst. Zum anderen werden Mitarbeiter um die Möglichkeit der Selbstrealisation und um die Entwicklung ihrer eigenen Problemlösungskompetenz gebracht. Das Ergebnis sind frustrierte Chefs und frustrierte Mitarbeiter.

Führungsziele

Bei Mitarbeiterführung geht es nicht um die Ausübung von Macht oder Dominanz. Es geht darum, seine Mitarbeiter und damit sein Unternehmen besser zu machen. Mit zunehmender Kanzleigröße wird der unmittelbare Einfluss der Führungsperson verhältnismäßig immer unbedeutender. Von Prof. Dr. Winterheller wurde hervorragend herausgearbeitet, dass schlechte Führung additiv ist, hingegen gute Führung multiplikativ. Gelingt es dem Alpha nicht, die Potenziale seiner Mitarbeiter zu entwickeln, ist ein Kanzleiwachstum über einen bestimmten Grad hinaus NICHT möglich. Der Chefbeitrag wird verschwindend gering. Nicht selten werden Mitarbeiter sogar als Störfaktor und Quelle ständiger Schwierigkeiten wahrgenommen. Der Kontakt zwischen Mitarbeitern und Chef ist häufig nur problem- und arbeitsorientiert.

Führung ist menschenbezogen

Man führt kein Unternehmen, sondern immer Menschen. Letztlich machen nur die Menschen den Unterschied. Das bedeutet nicht, dass Führung nicht zielorientiert ist. Rechtsanwälte, die Rechtsprobleme lösen, führen nicht. Führungspersönlichkeiten hingegen kümmern sich um Menschen, damit diese im Stande sind, die Probleme selbst zu lösen. Der größte Teil der Arbeit bleibt häufig am Chef hängen. Dadurch hat er zu wenig Zeit, sich um seine Mitarbeiter zu kümmern. Die Folge ist, dass Respekt, Loyalität, Motivation und sogar Fachkompetenz laufend sinken. Dadurch fühlt sich der Chef wieder bemüßigt, in das Tagesgeschäft einzugreifen. Ein Teufelskreislauf.

Erst wenn Unternehmer bzw. Rechtsanwälte mit eigener Kanzlei lernen zu führen, tritt der gegenteilige Effekt ein. Das Jammern über „unfähige Mitarbeiter“ ist somit in Wirklichkeit kein Statement über die Mitarbeiter, sondern über die Führungsqualität des Vorgesetzten.

Boot-Camp

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