Im Interview mit ANWALTSBLATT: Warum wir ein „BOOTCAMP für Rechtsanwälte“ entwickelt haben

Ein Rechtsanwalt, der gemeinsam mit seiner Frau „frischen, unternehmerischen Wind“ in die Anwaltsbranche bringen möchte. RA Dr. Clemens Pichler, LL.M. und seine Frau Alexandra im Gespräch, warum sie dieses spezielle digitale Unternehmertraining entwickelt haben und wie es dazu kam.

AB: „Was hat Sie bewogen, dieses Projekt zu starten?“


Dr. Pichler: „Wir haben selbst verschiedenste Phasen in unserer eigenen Kanzlei damals durchschritten und es war nicht immer einfach. 2008 hatte ich mich selbstständig gemacht. Und es war über einige Jahre ein wirkliches „selbst und ständig“. Die meisten Wochenenden durchgearbeitet, die Familie wenig gesehen… Ich dachte mir immer: „So ist das eben, wenn man seine Kanzlei erfolgreich aufbauen will. Das ist der Preis dafür.“ Dann bin ich irgendwann glücklicherweise durch Zufall auf einer Nicht-juristischen Fortbildung auf Wissen gestoßen, das mir unheimlich wertvoll vorkam. Es wurde mir plötzlich klar, dass ich so nicht weitermachen konnte, da sich sonst nie etwas verändern würde. Diese Inhalte hatten mich dort so inspiriert, dass ich während des Seminars nicht einmal aufs Klo gehen wollte, um keine Sekunde zu verpassen. Es kam mir vor, als wenn der Senior-Familienpatriarch aus einer Unternehmerdynastie sein gesamtes Unternehmerwissen – das man nicht auf der Uni lernen kann – seinen Kindern weitervermittelt. Mir wurde damals schlagartig bewusst, was ich alles noch nicht wusste, obwohl ich dachte, dass ich meine Kanzlei bereits gut führte. Danach begann ich schrittweise in unserer Kanzlei damit zu experimentieren – und bemerkte rasch, was sich dadurch alles zum Positiven veränderte. Das möchte ich nun an interessierte Kollegen und Kolleginnen weitergeben. „You get what you give“. Das sehen wir übrigens in sämtlichen Bereichen des Lebens so.“

AB: „Was waren Ihrer Meinung nach dabei die wichtigsten Bereiche, in denen Sie begonnen haben, anders in Ihrer Kanzlei zu agieren?“

Dr. Pichler: „Ich lernte in erster Linie die Bedeutsamkeit und den immensen Einfluss von richtiger Führung und wie krass sich dadurch alles verändert – die Stimmung innerhalb des Teams, klare Strukturen und Abläufe und dies führt in weiterer Folge natürlich auch zu einer Umsatzsteigerung. Das ganze System ändert sich dadurch. Das Thema Führung halte ich persönlich für fundamental wichtig. Ich entwickelte mich in dieser Zeit sukzessive immer mehr von der reinen Fachkraft – die ich bis dahin war, also der klassische „Akten-Abarbeiter“ – hin zum Unternehmer und zur Führungskraft. Mir wurde immer klarer, was überhaupt klassische Unternehmeraufgaben in einer Rechtsanwaltskanzlei sind.“

AB: „Und zwar?“

Dr. Pichler: „Das lernst du ja nicht im Jus-Studium. Ich begann mich mit konkreten Zielen zu beschäftigen, mit unterschiedlichen Strategien zur Zielerreichung. Wir begannen uns intensiv mit Kanzleimarketing zu beschäftigen, online sowie offline Aktivitäten. Wie hole ich mir vor allem die richtigen Mandanten in die Kanzlei, oder auch die richtigen Mitarbeiter. Dieses Wissen holten wir uns in unzähligen Aus- und Fortbildungen, die meine Frau und ich besuchten. Wir investierten hier viel Geld in die besten Trainer und Mentoren im deutschsprachigen Raum. Teilweise sogar im internationalen Raum. Nebenbei machten wir auch noch eine knapp 2-jährige integrale Coaching-Ausbildung, die uns vor allem auch persönlich extrem wachsen ließ, vor allem unser Mindset und unsere Kommunikationsskills. All das waren genau diese wertvollen Nicht-juristischer Inhalte, von denen ich anfangs gesprochen habe, und die es aber benötigte, dass unsere Kanzlei immer weiter wuchs und florierte, die Stimmung im Team immer besser wurde und wir letztendlich auch regelmäßig 7-stellige Kanzleiumsätze generierten.“

AB: „Wie kam es schließlich zur Idee, Seminare für die Kollegenschaft anzubieten?“


Dr. Pichler: „Irgendwann wurde meiner Frau Alexandra und mir bewusst, dass es uns wirklich Spaß machte, unsere Erfahrungen und unser Wissen hier weiterzugeben. Die Grundidee war damals eigentlich wirklich nur „Lass uns einfach was Sinnvolles in die Welt bringen.“ Und aus diesem 2-tägigen Seminar, welches das BOOTCAMP ursprünglich war, ist nun letztes Jahr ein 10-wöchiges digitales Online-Unternehmertraining entstanden, das Anwälte und Anwältinnen im Kanzleialltag begleitet. Wir stießen damals ursprünglich bei der Seminar-Premiere vor 3 Jahren auf so grandioses Feedback von den Teilnehmern, das hat uns selbst persönlich überwältigt und berührt. Die Teilnehmerstimmen auf unserer Webseite spiegeln das wider. Und wir haben uns deshalb zur Bezeichnung „BOOTCAMP“ entschieden, weil ein Bootcamp eine Art von Trainingsprogramm ist, wo wirklich aktiv etwas weitergeht. Kein „intellektueller Kuschelkurs“ sondern aktives Tun.“

interaktive Lernplattform mit Videos, Audios, Kursbuch, Kanzleihandbuch, Vorlagen uvm.

AB: „Wie kann man sich nun jedoch den Ablauf dieses „BOOTCAMPs“ genauer vorstellen?“

Alexandra Pichler: „Unser Trainingsprogramm ist interaktiv und besteht aus über 40 hochwertigen Video & Audioaufzeichnungen samt einem dazugehören Kursbuch von über 300 Seiten. Der User kann damit arbeiten, wann und wie er will und sooft er will. Begleitet wird das ganze außerdem noch mit täglichen Handlungsimpulsen, die die Teilnehmer über eine App bekommen. Es dreht sich bei uns alles darum, wirklich praktisch in eine Veränderung zu gelangen. Das ist natürlich herausfordernd, aber durchaus bewältigbar im Kanzleialltag. Außerdem bleiben die Inhalte ja für 12 Monate zugänglich – somit kann sich der User vieles selbst einteilen. Derzeit starten wir 2x jährlich mit 20 Plätzen und begleiten die Teilnehmer dabei noch zusätzlich mit 7 Live-Zoom Einheiten, in denen wir auch auf Fragen und konkrete Kanzleisituationen eingehen. Aufgebaut ist unser Programm auf dem sogenannten „Unternehmerkreis“

Unternehmerkreis

AB: „Können Sie diese Grafik näher erläutern?“

Alexandra Pichler: „Das sind die Säulen, die ein Unternehmen für ein gesundes Wachstum benötigt. Wird einer dieser Bereiche vernachlässigt, kann ein Unternehmen – also in dem Fall eine Kanzlei – in Schieflage geraten oder bleibt weit unter ihren Potenzialen. Klassischerweise – und so hat es auch mein Mann zuvor betrieben – kümmern sich Rechtsanwält/-innen nur um ihr Produkt, in dem Fall um ihre Rechtsdienstleistung. Die ist natürlich essenziell, reicht aber nicht aus, um wirtschaftlich maximal erfolgreich zu sein. Meist führt die Überarbeitung dabei dann auch irgendwann ins Burnout. Denn deine Zeit ist begrenzt, es gibt eine limitierte Stundenanzahl, die du monatlich leisten kannst, aber dann ist irgendwann Ende. Wenn du begreifst, dass du hier deine Denke ändern musst, nämlich dahingehend, nicht nur NOCH mehr IN deiner Kanzlei zu arbeiten, sondern beginnst, vor allem AN deiner Kanzlei zu arbeiten – dann legst du den Hebel um. Und dann ist so viel mehr möglich – ohne in der Erschöpfung zu landen. Das sind diese klassischen Nicht-juristischen Bereiche, von denen mein Mann vorhin gesprochen hatte. Wie beispielsweise deinen Workflow und deine Prozesse zu optimieren, deine Führungsrolle einzunehmen, sich mit Kommunikation & Marketing zu beschäftigen, deinen Cashflow im Griff zu haben und somit liquide zu sein – und zwar so, dass du so aufgestellt bist, um idealerweise mindestens 6 Monate auch ohne Einnahmen wirtschaftlich überleben zu können. Die für dich richtigen Strategien dafür zu entwickeln. An deinem Mindset zu arbeiten, Glaubenssätze zu überprüfen etc. All das haben wir aus unseren Fortbildungen „zusammengeführt“, in unserer eigenen Kanzlei ausprobiert und Schritt für Schritt als Trainingsprogramm stufenweise in dieses Lernprogramm übertragen.

Bootcamp für Rechtsanwälte, digitales Unternehmertraining

AB: „Sie geben also hauptsächlich Tipps aus der eigenen Praxis-Erfahrung weiter?“

Alexandra Pichler: „Da liegt wirklich geballtes Know-How zusammen. Und vor allem nur solches, welches wir auch selbst erprobt haben in unserer eigenen Kanzlei bzw. Inhalte, die wir auch für uns selbst so praktizieren. Wir haben Track-Record in dem was wir lehren. Das heißt: Wenn wir davon erzählen, welche Schritte es bis zur 1. Million benötigt, dann sprechen wir hier aus der Position, dass wir dieses Ergebnis auch selbst regelmäßig erzielt haben. Alles andere würden wir nicht tun. Wir haben auf unserer Lernplattform auch unser eigenes Kanzleihandbuch mit 160 Seiten – mit allen wichtigen Kanzleiprozessen (Wie machen wir was?) zum Download zur Verfügung gestellt. Das ist jahrelange „Insider-Erfahrung“. Und es ist einfach etwas, was wir wirklich gerne weitergeben. Wir haben übrigens auch einen Podcast gestartet, und schreiben regelmäßig Blog-Artikeln auf unserer Webseite: www.pichler-management.com

Informationen zur Person:

Dr. Clemens Pichler, LL.M. ist Rechtsanwalt, Unternehmer und Investor. Seine Kanzlei gründete er 2008 die er 2021 verkaufte. Die Kanzlei hatte bis zu 15 Mitarbeiter und wurde im JUVE-Magazin mehrmals zu den besten Wirtschaftskanzleien Westösterreichs gewählt und erhielt mehrere Arbeitgeberauszeichnungen (u.a. auch den Great Place to Work Sonderaward für „Lebenslanges Lernen und Berufliche Bildung“ (zusammen mit Lidl Österreich).

Alexandra Pichler ist Unternehmerin, Mentalcoach und Geschäftsführerin der Pichler Management. Sie leitete in der Kanzlei die Bereiche Marketing, Human Resources und Kommunikation. Sie ist zudem zertifizierter IMX-Consultant.

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